Projekte

Pollon

Theresia Philipp ( sax )
David Helm ( kb )
Thomas Sauerborn ( dr )

Ein Ruf aus der Ferne zieht durch den Körper. Hörst du das Chaos? Hab Vertrauen. Folge Klängen wie Fußabdrücken, die zu Hufen und Krallen werden. Sie tapsen, stampfen und streicheln den Boden - aus Sand wird Erde wird Beton wird Wasser wird warmer Wind auf der Haut.

POLLON ist ein Projekt von Theresia Philipp (Kölner Jazzpreis 2020, WDR Jazzpreis 2022, Deutscher Jazzpreis 2024, Nica Artist Development), David Helm (Kölner Jazzpreis 2019, Arvore Stiftung) und Thomas Sauerborn (Nica Artist Development). Ihre Musik ist die poetische Übertragung einer sinnlich zu begreifenden Realität. Sie improvisieren angstlos und wild, was ihre Stücke zum einen impulsiv und dynamisch wirken lässt, in ihnen aber andererseits eine sanfte Verletzlichkeit mitschwingt, die ihre Kompositionen abrundet.

Seit ihrer Gründung 2013 haben die Musiker:innen drei Alben veröffentlicht – Herb (2016), Pollon With Strings (2020), △△△ (2022, nominiert für den Deutschen Jazzpreis Bestes Album 2023). Ihr über Jahre gewachsenes Zusammenspiel schafft, dass sie bei jedem Konzert Harmonie und Überschwang verbinden – die Mystik ihrer Musik ist dabei stets spür- und hörbar.

Foto: c Florian Fries

Seeds of Sweat

Theresia Philipp ( sax, cl, comp. )
Lynn Cassiers ( voc, fx )
Shannon Barnett ( tbn, voc )
Keisuke Matsuno ( git, fx )
Robert Lucaciu ( db )
Kresten Osgood ( dr, voc )

Seeds of Sweat verbinden zeitgenössischen Jazz mit elektroakustischen Elementen, getragen von kollektiver Dynamik und Improvisation. Die Klänge wenden sich einander zu, wie die sechs Musiker*innen selbst – aufmerksam und in ständigem Austausch.

Die Kompositionen von Theresia Philipp sind inspiriert vom kollektiven Schaffensprozess und literarischen Texten wie denen von Ber Anena, Koleka Putuma und Trinh T. Minh-ha. Die Poesie verleiht ihrer Musik eine besondere Tiefe, die nicht vor der Schwere der Welt zurückschreckt, sondern sie sinnlich sowie feingeistig verhandelt und in Bewegung bringt: Instrumente und Gesang verweben sich wie Linien, die sich in organischen Mustern ordnen oder wilder Improvisation ausschweifen und wieder auflösen – experimentell, und trotzdem zugänglich.

Ihre Kompositionen changieren zwischen der Erschöpfung täglicher Kämpfe für ein solidarisches Miteinander und dem Ausdruck kollektiver Verbundenheit. Der Titel steht für genau das: Seeds of Sweat – Schweiß, Einsatz, Beharrlichkeit.

Foto: c Niclas Weber

Pollon With Strings

Theresia Philipp ( sax, cl, comp. )
David Helm ( kb )
Thomas Sauerborn ( dr )
Axel Lindner ( vln )
Axel Porath ( vla )
Elisabeth Coudoux ( cl )

Wer mehrere Sprachen spricht, muss sich vielleicht nicht immer für eine davon entscheiden. Vielleicht ist die Entscheidung ja sowieso schon gefallen, zum Beispiel, wenn eine der Sprachen die so genannte Muttersprache ist. Aber möglicherweise kann man auch mehrere Muttersprachen haben und sich zu Hause fühlen in einer Sprache, die für Andere ein vieldeutiges Gebilde ist.

Das ähnelt in mancher Hinsicht der der Situation, in der sich Jazzmusiker und Jazzmusikerinnen zuweilen befinden. Denn je nachdem was man unter Jazz versteht, hat er verschiedene Wurzeln, auch verschieden tiefe. Und zu Hause kann man sich nur da fühlen, wo es mehrere Verbindungen zu mehreren Wurzeln gibt.

Bei Theresia Philipps Doppeltrio pollon with strings fällt diese gleichzeitige Mehrdeutigkeit schnell ins Auge und ins Ohr. Dabei ist es keineswegs so, dass das Streichertrio auf andere musikalische Wurzeln verweist als das Jazz-Trio, das mit Saxophon/Klarinette, Bass und Schlagzeug besetzt ist. Alle sechs Musiker:innen sind vielsprachig und wissen darum genau, was zu tun ist. Mal geht es um eine östlich- orthodoxe Hymne („Trishagion“), mal um ein ur-christliches Gebet („Vaterunser“), mal um pointillistisch nervöse Neue-Musik-Pizzicati („Secret Reality Part I), um gestaltete Schwindelgefühle („Vertigo“) und um Wahrheiten, die alles andere als einfach sind („Simple Truth“).

Vieles ist sorgfältig auskomponiert und wird mit großer Disziplin gespielt. Manchmal steckt die Musik voller Freiräume, die genauso diszipliniert mehrdeutig und mehrsprachig ausgestaltet werden. pollon with strings bildet keine bloße Addition von Verschiedenem, sondern ist eine Zusammenkunft, ein musikalisches Ereignis von großer Kohärenz, die ihre Stärken im Mehrdeutigen hat.

Hans Jürgen Linke

Foto: c Tino Kukulies

Losing Color

Theresia Philipp ( sax )
Jozef Dumoulin ( pn, fx )
Thomas Sauerborn ( dr )

Eine unvergessliche Klangreise erwartet Musikliebhaber, wenn die drei Musiker:innen aufeinandertreffen.

Das Trio bringt mit ihrer höchst eigenständigen Klangwelt in „Losing Color“ eine musikalische Fusion, die fasziniert.

Die Kompositionen dienen als Spielbrett und Anker und werden von einem gemeinsamen Bandsound getragen. Es entsteht ein intimes Geflecht, welches immer wieder in energiegeladene Passagen münden und große Bögen spannt. Dabei wird es nie beliebig. Es sticht vor allem der persönliche Vibe hervor, welcher eine Mischung aus Science Fiction, 80er Jahre Space-Pop und Avantgarde Jazz inkarniert.